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denkMALE – Lebensgeschichten zwischen
Authentizität und Improvisation

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Blitz! 15.06.06

Ressort Kurz und gut, Stadtmagazin Blitz! vom
Donnerstag, 15. Juni 2006

Realität und Improvisation

Künstler haben es immer wieder gesagt: Die besten Geschichten schreibt das Leben höchstselbst. Warum nicht über dieses erzählen?

Armin Zarbock hatte Idee und Konzept und interviewte Leipziger der Generation 80 plus. Die berichten via Video von dem, was wir so nie kennenlernen werden, Hitler und Krieg, Aufbaujahre, Kinderglück, Scheidung, neue Liebe, Lebensmittelmarken, Hol Fix, Haus der Heiteren Muse, Abriss, Neubau, Jugendweihe, Hiddensee, Sudetenland, Brautvater, König WU und Egon Krenz, Wende, Orientierung, Tiefensee, Aldi, Lidl, Puppenstube, Hier und Heute und von all den kleinen Dingen, die ihr Leben ausgemacht haben. Das ist das Dasein ungefiltert, das ist Dok-Film, jedoch noch kein Theater. Richtig.

Theater wird es durch Akteure. Die sitzen im Raum und sehen das Leipziger Leben und machen sich ihre Gedanken dazu. Was heißt, sie improvisieren, mal mit Fotos, mal mit Zeugs vom Boden, sind Stichwortgeber oder Fragensteller. Sie versetzen sich in Gefühl und Lebenslage der Interviewten und eignen sich so deren Leben an. Wir Zuschauer haben Biografien gemixt und selber Gedanken dazu. Das ist ungewohnt, hat eigene Art, ist so spannend überraschend, wie das Leben eben ist.

Armin Zarbock hat den Abend im Griff und managt Film und Assoziationen. Uta Pilling singt passende Weisen begleitet vom Akkordeon. Verena Noll, Heike Ronniger, Jörg Dathe und Helge van Hove sind die Biografen, sie spielen der anderen Leben und geben das ihre dazu. Zum Lachen, Heulen, Weiterdenken. Manchmal zu kurz, manchmal sehr treffend, manchmal mit ihrem Kopf ganz woanders. Da finden wir uns wieder. So ergeht's uns auch. Eindeutig aber: Es gibt an jedem Abend nur einen Star: Jene Männer und Frauen, die uns erzählen. Und wie sie es tun! Ja, in diesen Leben sind wir drin, und der Abend ist nah dran. Das Experiment ist gelungen.

Leider, die Abende lassen sich nicht wiederholen, diese Lebenskunst bleibt einmalig. Wir hätten's gern mehr und bald wieder. Vielleicht, liebes Team, könntet ihr's wagen. Denn wenn man im fremden Leben so drin ist, lässt's sich doch noch viel, viel besser, spannender, überraschender erzählen. Der Assoziationen kein Ende und wirklich wie's Leben.

Henner Kotte