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Schwarzer Hals Gelbe Zähne

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Grußwort des Autors

Veit_Pätzug_(c)2007_ds05.de_

(Der Text entstand unter dem Eindruck der Theaterperformance im Vorfeld des Probenbeginns im Rahmen der Buchmesse Leipzig.)

„Du gibst der Gewalt ein Podium!“ – „Ja.“ – „Du verherrlichst die Gewalt!“ – „Nein. Ich zeige sie. Aber wer Gewalt herrlich findet, wird sie natürlich in meinen Büchern finden.“ …

In meinen Büchern sprechen Menschen über Liebe. Über das Liebste in ihrem Leben. Und über Hass. Über Frust und Schläge, Demut und Demütigung, über ihr Leben und wie sie sterben. Wie sie immer wieder sterben und am nächsten Wochenende immer wieder hoffen, den Sieg über Schmerz oder Triumph in sich aufzusaugen – was sie am Leben hält.

Den Sieg. Der Schmerz. Niederlagen. Unerbittlicher Hass. Trauer und Zerrissenheit. Liebe und Gewalt, die sich Bahn bricht, den Einzelnen mit der Herde mitreist. Gewalt, die den Urinstinkt aufbricht, in der wir uns herrlich fühlen, aufgehoben, sicher, geil, unsagbar stark und im Rausch vollkommen. Wie wunderbar ist es, fanatisch zu sein! Dazugehören, Macht verspüren, Gewalt haben, unendlich besitzen. Im Rausch alles kaputt schlagen. Sehnsucht und Hingabe. Loslassen und fallen. Unendlich high sein … einmal wirklich frei.

Armin Zarbock transportiert die Gewaltthematik aus meinen Büchern in einen scheinbar sterilen Raum und zu Menschen, die vermutlich noch nie ein Fußballspiel live gesehen haben. Das hat mich zu erst etwas ratlos gemacht und natürlich die Erwartung an seine Inszenierung angekocht. Ich hatte Bedenken, ob ein Theatermacher dem Thema und den Menschen dahinter gerecht werden kann und fair bleibt. Doch das Stück hat den Finger so tief in der blutig-warmen Wunde, dass es mich mitgerissen hat. Mit unbeschreiblicher Lust an der Orgie, die Zarbock in seiner Inszenierung aufzeigt, geht er viel weiter, als ich es in meinen Büchern getan habe. Bei mir erzählen Menschen, Fußballfans, von Gewaltexzessen und Orgien, die zum Kosmos des Fanseins zu gehören scheinen. Wenn man so will, bestätigen meine Protagonisten das Klischee über sie selbst. Sich dessen ganz bewusst und mit großem Stolz. Als Leser sowie mir als Autor bleibt eine Distanz, die Betrachterrolle. Zarbock konfrontiert den Zuschauer unmittelbar, und dabei überrollt das Publikum eine Welle nach der nächsten. Wie süß wird es in den Adern rinnen, wenn alles vollbracht ist und man selber ganz still und erfüllt.

Zarbocks Inszenierung „Schwarzer Hals Gelbe Zähne“ macht geil und führt den Zuschauer an die unmittelbare Strafraumgrenze des Erschreckens über sich selbst. Der Fußballspieler Ansgar Brinkmann hat gesagt: „Die Fußballstadien sind die letzten großen Theater.“ Dabei bleibt unklar, ob er die Spieler als Schauspieler meint und die Fans als Publikum. Denn großer Sport, mit Hingabe und Gewalt, spielt ebenso auf den Traversen.

Armin Zarbock hat mit dieser Inszenierung eine große Atmosphäre geschaffen, in der ebenso Hingabe und Gewalt auf die „Traversen“ schwappen.

Ich wünsche der Inszenierung den großen Erfolg, den sie haben wird.