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Schwarzer Hals Gelbe Zähne

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Kreuzer 06.07

Ressort Theater aus dem Leipziger Stadtmagazin Kreuzer in der Ausgabe von Juni 2007

Tausend Füße, tausend Schläge

Tanz und Gewalt im LOFFT: Sebastian Weber und Armin Zarbock zeigen zwei neue Projekte

Er kam mit nur zwei Beinen, aber mindestens tausend Füßen. Es war das Konzert einer ganzen Band, obwohl Sebastian Weber mit seinem Soloprogramm »Cross not line the do« auftrat. Gemäß dem Motto »Wenns nicht groovt, taugt es nicht, egal wie toll es aussieht«, das auf seine großen Vorbilder und Lehrer der New Yorker Jazz-Tap-Tradition zurückgeht, entführt Weber in seinem neuen Stück in eine furiose Sound-Welt der Großstadtrhythmen.

Dabei benutzt er alles, was sein Körper zu bieten hat, um Rhythmus und Atmosphäre zu erzeugen. Zunächst in grandioser Virtuosität seine zwei bis tausend Füße, mit denen er seinen gesteppten Klangteppich ausbreitet. Der Rest des Tänzerkörpers verwandelt sich in ein Sammelsurium von Instrumenten: Weber klopft, zupft, gackert, grunzt, stöhnt und singt - gern auch mal einen mehrstimmigen Choral. Alleine natürlich, denn gemäß seinem eigenen Reinheitsgebot werden alle Musik und Geräusche live auf der Bühne erzeugt. Der Solist betört mit seiner kunstfertigen Vielfältigkeit, und so bleiben nur zwei kleine Wermutstropfen. Zum einen fehlt den vielen Szenen teilweise die Verbindung untereinander und zum anderen wirkt der Tänzer auf der Bühne oft introvertiert - den Blick auf seine tanzenden Schuhe gerichtet, geht der Kontakt mit dem Publikum verloren.

Groove spielt auch im neuen Stück von Armin Zarbock und der Dramatischen Spielgemeinschaft 05 eine Rolle. »Schwarzer Hals Gelbe Zähne« setzt sich mit der zunehmenden Gewalt beim Fußball auseinander. Allerdings geht es hier darum, den Rhythmus und die Euphorie des Massenphänomens zu begreifen. Ziemlich hilflos stehen sich da zunächst drei Gewaltforscher (Heike Ronniger, Klaus-Dieter Bange, Alexander Fabisch) bei einer Tagung gegenüber. Das zur Tagung eingeladene Vorführexemplar Hooligan hat sich abgesetzt, so dass Thomas (Christoph Wirth) als einzig anwesender Mann im Zielgruppenalter die authentischen Erfahrungsberichte von Hooligans vorlesen und sich einfühlen soll. Das gelingt ihm und danach auch den Kollegen mit fortschreitender Tagung immer besser und schließlich so gut, dass es gar nicht mehr darum geht, die Aggressionspotenziale gesellschaftlicher Randgruppen zu begreifen, sondern sich mit seiner eigenen inneren Affinität zu Gewalt zu beschäftigen. Diese findet ihren Ausdruck in immer stärker werdenden körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Forschern und gipfelt in Thomas' Gewaltexzess gegen seinen Vater.

Was die Schauspieler mit starker Präsenz in der überzeichneten Brüchigkeit ihrer Figuren aufgebaut haben, findet an dem Punkt keine Weiterentwicklung, wo sie den Hooligan in sich entdecken und die tiefenpsychologisch allzu nachvollziehbaren Beweggründe für den Gewaltsog aufdecken. Hier bleibt das Stück in der Betroffenheitsecke hängen. So wird zwar das Thema mit hoher Intelligenz und Weitsicht ausgebreitet, doch scheint es zu wenig, Missstände und ihre Herkunft nur zu benennen.

Ulrike Lykke Langer