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Schwarzer Hals Gelbe Zähne

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LVZ 14.05.07

Ressort Szene Leipzig aus der Leipziger Volkszeitung vom
Montag, 14. Mai 2007

Mit Erdnüssen auf Hooligans

Noch ohne Konturen und Drive, aber mit Potential: Premiere von Armin Zarbocks “Schwarzer Hals,
Gelbe Zähne” im Lofft

Federmäppchen, Papiertaschentücher und ein Beutelchen Erdnüsse. Herr Friedberg ist gut vorbereitet. Herr Friedberg mit den tiefen Augenhöhlen, dem schweißfleckigen Hemd und dem braunen Cordsakko ist einer von drei Experten eines Symposiums zu „Fußball und Gewalt". Seine Kollegen sind die schmallippige Dr. Kandinsky und der totalitäre Professor. Die Überzeugungen der Koryphäen heißen: „Mangel an Zuneigung führt in die Krise" (Friedberg), „Wir brauchen Momente positiven Überschwappens" (Kandinsky) und „Nur eine radikale Gehirnhygiene hilft gegen die hirnphysiologische Prädisposition der degenerierten Jugend" (Professor).

Die dreckigen Tatsachen trägt erst Thomas, Sohn und Lakai des Professors, in den sauberen Elfenbeinturm hinein. Mit Hass im Blick bedient er die Konferenzler und bringt auf den Punkt, worum es bei dem Treffen eigentlich geht: um Hooligans, die Züge, Stadien und Köpfe von Polizisten demolieren, um Ultras, die gegnerische Spieler als Juden beschimpfen, um Mitläufer, die grölend zuschauen, wenn Hatz auf feindliche Fans gemacht wird. Thomas liest aus „Schwarzer Hals, Gelbe Zähne", einem Buch, in dem ungefilterte Interviews gewalttätiger Fans des 1. FC Dynamo Dresden gesammelt sind.

Thomas steigert sich hinein in die Schilderungen von Skrupellosigkeit und brachialer Brutalität. Sichtlich angetan lassen sich bald auch die Studiosi ein auf dieses Spiel des Sicheinfühlens. Und auf dem Boden unterdrückter persönlicher Emotionen finden sie sogar Spaß an der Gewalt. An der fantasierten wie an der realen. Auf der Bühne wird geschrien, gegen Wände getreten, Tische und Stühle fliegen. Der Übervater, der Professor, wird letztlich zum Opferlamm, das wissenschaftliche Symposium zum Schlachtfeld.

So wie im Bühnenbild nur ein einziger Fußball symbolisch in einer dunklen Ecke versteckt ist, scheint Regisseur Armin Zarbock sagen zu wollen: Gewalt ist nicht nur im Stadion, sondern überall. Auch bei denen, die alles besser wissen. Schade nur, dass man sich sein Inszenierungskonzept - von den gruppendynamischen Spielchen der Wissenschaftler über den Vater-Sohn-Konflikt bis zur kollektiven Aggressionsentladung - lediglich zusammenreimt. Wirklich erlebbar wird es nicht, da den Figuren das Fleisch, scharfe Konturen fehlen. Den Darstellern mangelt es dadurch an Spielfreude, der Inszenierung an Drive, dem Gewaltausbruch an Glaubwürdigkeit.

Vielleicht hat die Aktualität des Themas und die daraus resultierende Fülle des Materials - wöchentlich neue Fernsehbilder von Brandbomben in Stadien, der bevorstehende Prozess gegen randalierende Lok-Leipzig-Fans, anhaltende Debatten über Fanprojekte - das Team ein wenig erschlagen. Vielleicht stand auch die Premiere zu früh auf dem Kalender. Vielleicht schafft Zarbock es, sein Team für die kommenden Vorstellungen noch einmal neu anzufixen.

Antje Hoffmann